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About me

Was willst du mal werden, wenn du groß bist?

Viel größer werde ich es wohl nicht mehr schaffen, deshalb muss ich hier eigentlich sagen, dass ich das werden will, was ich bis hierher geworden bin. Das Einschreibedatum für Superheldinnen habe ich leider verpasst, deshalb muss ich jetzt eben die Welt retten, indem ich sie informiere und auf dem Laufenden halte. Wenn ich ganz groß und alt bin, will ich eine Frau sein, die mit ihrem Leben zufrieden ist und alle Chancen ergriffen hat, die sich ihr geboten haben. Wenn ich dann noch einen eigenen Wikipedia-Eintrag bekomme, habe ich es eindeutig geschafft. Wobei ich hier auf den nachfolgenden journalistischen Nachwuchs bedacht natürlich den allerersten Satz zitieren muss, den ich von meinem Professor gelernt habe: Wikipedia ist keine Quelle!

Dein Abiturschnitt hat dir viele Türen geöffnet. Warum Journalismus und nicht Jura oder Medizin?

Gute Frage. Ich kann kein Blut sehen, Nadeln sind mir ein Gräuel und der Geruch von Krankenhäusern macht mich krank – ich wäre also nicht die geborene Medizinerin. Jura hätte mich tatsächlich gereizt, ich habe mein mündliches Abitur in Recht gemacht. Im Endeffekt stelle ich mir das ewige Jonglieren mit Paragraphen aber doch etwas zu trocken vor. Seit der vierten Klasse will ich schreiben, seit ich lesen kann, liegt die Zeitung auf meinem Frühstückstisch. Ich denke, meine Liebe zum Lesen, Schreiben und zur deutschen Sprache hat mich dorthin gebracht, wo ich jetzt bin.

Du hast schon für Stern Online, Freundin, für lokale Medien hier in München und bei dir zuhause gearbeitet und sogar für das junge Onlineportal der Süddeutschen Zeitung geschrieben. Das ist viel Vorbereitung auf die Zukunft. Was müsste passieren, dass dein Weg sich ändert?

Eine Fabrik müsste mich auf Lebenszeit einstellen, damit ich ihre innovative Wunderschokolade verkoste, die natürlich weder dick noch krank macht, aber genauso schmeckt wie herkömmliche Vollmilchschokolade. Ach, und natürlich müssten die mir ein Managergehalt bezahlen. Ich denke, das ist das einzige Szenario, bei dem sich für mich etwas ändern würde. Ansonsten bin ich überzeugt von dem Weg, den ich eingeschlagen habe. Und der Journalismus ist ja auch ein flexibles Berufsfeld. Spontane Hochzeit mit dem Traumprinzen, Schreiben vom königlichen Schloss aus…es ist ja alles möglich!

Würdest Du für den Traumjob auch alle Zelte abbrechen und ins Ausland ziehen?

Ich denke, wenn es wirklich mein Traumjob wäre, würde ich nicht lange überlegen. Mein ewiges Fernweh zieht mich ohnehin ständig ins Ausland – warum also nicht auch einmal etwas wagen und sich woanders ein Leben aufbauen? Ich denke, wenn man macht, was einem Spaß bereitet, ist es fast egal, wo man es tut. Sich darauf zu verlassen, dass der ideale Job sowieso hier in München nur auf mich wartet, wäre schließlich ziemlich naiv. Aber natürlich kommt es ein bisschen darauf an, wohin die Reise gehen soll. Als Sonnenanbeterin kann ich mir einen Job am Nordpol oder in Alaska wirklich schwer vorstellen und außerdem würde ich Länder vorziehen, in denen ich für meine freie Berichterstattung nicht ins Gefängnis gesteckt oder sogar getötet werde. Ansonsten gilt: Liebe Arbeitgeber, immer her mit euren traumhaften Angeboten!

Dein Leben ist gut organisiert und geplant. Hast du nicht manchmal den Drang, auszubrechen und etwas völlig Verrücktes zu tun?

Natürlich habe ich den und wer mich kennt, weiß, dass ich täglich meine fünf Minuten habe, in denen ich nicht ernst genommen werden sollte. Aber ich plane meine Zukunft und versuche, etwas zu erreichen. Das liegt auch ganz einfach an der heutigen Zeit – man muss ja zusehen, wo man bleibt. Ich denke, ich bin schon auf dem richtigen Weg, auch wenn ich mir manchmal wünschte, ich wäre in anderen Zeiten geboren. Hätte ich beispielsweise die 68er miterlebt, hätte meine Karriere ganz anders ausgesehen: Ich wäre mit einem Rockstar durchgebrannt, mit ihm im bunten Flowerpower-VW-Bus durch Amerika gefahren und hätte dabei den ganzen Tag nur die Stones, The Who und Jimi Hendrix gehört. Man, ich hätte bestimmt eine gute Hippie-Braut abgegeben und ein völlig verrücktes Leben gehabt. Aber wir haben nun mal 2013, die 68er sind lange vorbei und glücklicherweise haben wir ja auch ein paar gute Bands vorzuweisen. Und verrückte Dinge werden mir in Zukunft bestimmt auch noch genügend einfallen – es muss ja nicht immer ein Rockstar sein.

Bei der nächsten Studentenbewegung stehst du also an erster Front. Was wäre das größte Risiko, dass du als Journalistin für eine Story eingehen würdest?

Ich glaube, ich hätte viel Spaß daran, investigativ zu arbeiten, auf Dachböden herumzukrabbeln und nach alten Akten zu suchen, die amtierende Bundespräsidenten oder andere Personen belasten könnten. Das tolle am Journalismus ist ja, dass man so viele Möglichkeiten hat und auch spannende Themen anpacken kann. Aber ich denke nicht, dass ich mich für eine Geschichte in Lebensgefahr bringen würde – schon allein meiner Familie zuliebe. Meine Mutter hätte keine ruhige Minute mehr, wüsste sie mich in irgendeinem gefährlichen Kriegsgebiet. Sie würde mich sowieso am liebsten jeden Abend in der Tagesschau sehen, wo ich ihr die Nachrichten des Tages präsentiere, schön geschützt von dicken Studiowänden und weit weg von den Geschehnissen, über die ich berichte.

Hast Du ein Vorbild, an dem du deinen Weg ausrichtest?

Ein wirkliches Vorbild habe ich eigentlich nicht, aber es gibt viele Journalisten,die ich für ihre Arbeit bewundere. Mein Großvater hat mir vor einigen Jahren seine  Büchersammlung von Peter Scholl-Latour vermacht, als er erfahren hat, dass ich Journalistin werden will. Dieser Mann hat so viel erlebt und sich ein wahnsinniges Wissen angeeignet, das kann man nur bewundern. Bei einer Lesung habe ich auch einmal Giovanni di Lorenzo getroffen – ein beeindruckender Mann, und das natürlich nicht nur wegen seiner italienischen Wurzeln! Im Großen und Ganzen bin ich aber eher ein Freund von Sinatras „My way“ und werde versuchen, meinen eigenen Weg zu finden.

(Interview 2013)

2 Gedanken zu „About me“

    1. Hallo Richard,
      das Interview hat eine damalige Kommilitonin für unser Abschlussprojekt im Studium mit mir geführt. Erschienen ist es bisher aber nur intern innerhalb dieses Projektes und hier! 🙂

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